Die Brauerei Schöll: Ein Nürtinger Erbe
Tauchen Sie ein in die Geschichte der Brauerei Schöll, einer Institution, die Nürtingen über Jahrzehnte prägte. Erfahren Sie mehr über ihre Gründung, Expansion und ihren bedeutsamen Einfluss auf die Stadt, von 1923 bis zu ihrer Schließung 1992. Begleiten Sie uns auf eine Reise durch die Zeit und entdecken Sie die faszinierende Welt dieser Brauerei.

Prägende Jahre und bedeutende Persönlichkeiten
Die Brauerei Schöll war von etwa 1900 bis 1992 ein prägender Bestandteil Nürtingens. Ihre Brauereibesitzer waren wichtige Persönlichkeiten, die das Stadtgeschehen maßgeblich beeinflussten. Ihre Geschichte ist eng mit der Entwicklung Nürtingens verbunden und spiegelt einen wichtigen Abschnitt der lokalen Wirtschaft wider.
Im Jahre 1877 erwarb der aus Metzingen stammende Braumeister Heinrich Jakob Schöll das Brauerei und Wirtschaftsanwesen "Vier Jahreszeiten". Im Jahre 1878 begann er dort mit einfachen mitteln Bier zu brauen. Und so war auch der erste Name der Brauerei, von dem Wirtschaftsanwesen abeleitet und hieß demnach "Brauerei zu den Vier Jahreszeiten".
Um eine größere Menge Bier brauen zu können begann er 1879 mit dem Bau eines Lagerkellers am Galgenberg. Kurz vor der Jahrhundertwende ließ Heinrich Jakob Schöll zu dem bereits vorhandenen Lagerkeller noch ein Wohnhaus und der Gärkeller bauen.
Ebenfa.ls in dieser Zeit übernahm Heinrich Jakob Schöll die nürtinger Brauerei "zum Erker". Heinrich Jakob Schöll starb 1905 und sein Sohn Heinrich Robert übernahm die Brauerei, jetzt unter dem Namen "Nürtinger Bürgerbräu".

Von der Gründung bis zur Schließung: Eine Zeitreise
Bereits in dieser Zeit hatte die Brauerei, so geht es aus den Brandversicherungsunterlagen hervor, vom Pferdeantreieb der Maschinen auf eine Dampfmaschine von der Reutlinger Firma Kohllöffel (Baujahr 1900) umestellt. Auch im Kesselhaus stand ein elektrischer Dampfkessel von Wagner & Essemann (Baujahr 1892)
Die Zeit der Weltwirtschaftskrise ging auch an der Brauerei nicht spurlos vorüber, wie Akten aus diesem Zeitraum belegen. Die Brauerei bekam dadurch probleme, das ihre Großkunden wie z.B. der Unternehmer und Gaststättenbesitzer Wenzelburger aus Neckartailfingen sie nicht mehr bezahlen konnten. Durch viel Persönlichen Einsatz und durchhaltewillen konnte Heinrich Robert Schöll die Brauerei aber durch diese Krisenjahre führen und sie weiter Ausbauen.
Der zweite Weltkrieg unterbrach die expansion der Brauerei.
Aber nach dem 2. Weltkrieg, mit beginn der Wirtschaftswunderjahre kam der Aufschwung und die Brauerei konnte ihr Liefergebiet immer mehr über Nürtingen hinaus erweitern.
1954 erwarb die Brauerei zu Werbezwecken für 2505 DM eine große Leuchtreklame, sie wurde am Turm des Sudhauses angebracht und hing bis zum Abriss des Brauereianwesens 2007 dort. Das Brandversicherungsgutachten kam 1956 zu der Ansicht das die Brauerei rund 800.000 DM wert sei, diese war allerdingd noch mit vielen Vorkriegsmaschinen betrieben worden, die erst in den folgejahren durch neue ersetzt wurden,
Ab 1963 führte Heinrich Schöll, der Sohn Robert Heinrich Schölls die Brauerei unter dem Namen H.Schöll Brauerei Nürtingen.
Mit dem Niedergang der Kronenbrauerei Neckartenzlingen 1971und der Kilion Brauerei Carl Rau 1982 konnte der Kundenstamm nochmals vergrößert werden.

Konsolidierung & Niedergang
Nicht nur Bier vertrieb die Brauerei auch Sprudel und andere Anti-alkoholischen Getränke. Besonders beliebt unter Kurgästen war die Nürtinger Heinrichsquelle, die bis in die Schweiz und in die USA Exportiert wurde. Auch sie wurde von der Brauerei Schöll vertrieben.
In den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts setzte das große Brauereisterben ein. Der letzte Braumeister und Leiter der Brauerei Klaus Schöll konnte die Brauerei nach dem Tod seines Vaters Heinrich noch bis 1991 weiterführen. Aufgrund innerfamiliärer Streitigkeiten konnte der Brauereibetrieb nicht mehr fortgesetzt werden.
Waren diese innerfamiliären Streitigkeiten einer der Hauptgründe, so kamen noch weitere Gründe dazu, die zur schließung der Brauerei führten.
In der "Nürtinger Zeitung" erklärte der letzte Brauereieigentümer Klaus Schöll die Gründe. "Meine Brauerei ist mit einem Hektoliterausstoß von unter 20.000 bereits sehr klein", sagte Klaus Schöll, " der Wettbewerb verschärft sich von Tag zu Tag, dazu kommt, die Umstellung der Flaschen und Bierkisten".
1991 lief die letzte Flasche Nürtinger Schöll bier vom Band.
Viele bedauern diese Entwicklung und das Ende der Brauerei.
Die Brauerei stand noch lange Jahre nach der schließung. Kurz vor ihrem Abriss 2007 konnte ich sie noch einmal in aller Ausführlichkeit begutachten.
Mit der Schließung der Brauerei sollte die Nürtinger Brautradition für einige Jahre enden. Seit einiger Zeit gibt es allerdings wieder ein Wohlmundendes Nürtinger Bier, von der Schlachthofbrauerei.
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