Werbung & Zeitgeist

Logos im Wandel

 

Bis zur möglichkeit Bier und andere Nahrungsmittel zu kühlen war es schlicht nicht nötig Werbung zu machen. Wer in Nürtingen wohnte trank das heimische Bier, anderes gab es nicht. In großen Städten wie München, Nürnberg, Berlin oder auch Stuttgart gab es viel innerstädtische Konkurenz, daher findet sich hier Werbung bereits viel Früher auf Trinkgefäßen und Schildern.

-Bild 1: In Nürtingen begann etwa ab 1900 die Zeit der Werbung. Anfangs warb die Brauerei Schöll ganz schlicht auf Bierkrügen. Logos verwendete man in dieser Zeit kaum.

 

 

-Bild 2: Das erste Logo der Brauerei H.Schöll waren stilisierte Ähren. Diese wurden auf Schildern, Gläsern und Krüges aufgebracht. In dieser Zeit sind Hauptmotive von Brauereilogos oft stilisierte Gerstenhalme, Hopfendolden oder Brauereiwerkzeuge. Nicht anders war es bei der Brauerei Schöll wie der Originalentwurf aus den 1920ern zeigt.

 

 

-Bild 3: Ab etwa 1935 ändert sich das Logo der Brauerei. Weg von Natur/Brauereiutensilien hin zu identitätstiftenden Logos.  So nahm nun die für Nürtingen prägende Kirche den Prominenten Platz auf Bierkrügen, Schildern und Leuchtreklamen ein. In den 40ern und 50ern noch begleitet von "nürtinger Bürgerbräu" fiel dies nach und nach weg und das Logo wurde Eckiger und Schlichter.

Das Logo mit der Kirche im lauf der Zeit. Zuerst noch mit Bürgerbräu Schriftzug. Dann im Laufe der 60er minimalistischer um ab den 70ern wieder weicher zu werden.

Jugendstil und Art Deco

(Gelb) Jugendstil Entwurf, (Blau) Art Deco Entwurf (Kirche) Neue Sachlichkeit

Stilrichtungen in der Werbung: Vom Jugendstil zur Neuen Sachlichkeit

Die Entwicklung der modernen Werbung im frühen 20. Jahrhundert ist eng mit den großen Stilrichtungen der Zeit verbunden. Um 1900 dominierte zunächst der Jugendstil, der sich durch geschwungene Linien, florale Ornamente und eine dekorative Gesamtwirkung auszeichnete. Werbung war in dieser Phase oft kunstnah gestaltet – Plakate wirkten wie Illustrationen oder Gemälde und setzten auf Ästhetik und Detailreichtum.

In den 1910er- und 1920er-Jahren begann sich dieser Stil allmählich zu verändern. Mit dem Aufkommen moderner Drucktechniken und einer stärker industrialisierten Gesellschaft rückte die Funktion der Werbung stärker in den Vordergrund. Daraus entwickelte sich das Art Déco, das geometrische Formen, klare Linien und stilisierte Darstellungen bevorzugte. Die Gestaltung wurde reduzierter, aber gleichzeitig eleganter und oft auch luxuriös inszeniert.

Parallel dazu entstand in Deutschland eine besonders prägende Strömung: die Neue Sachlichkeit. Sie wandte sich bewusst gegen dekorative Überladung und setzte stattdessen auf Klarheit, Lesbarkeit und Funktionalität. Typografie wurde einfacher und kräftiger, Bildmotive stark vereinfacht und auf ihre wesentlichen Formen reduziert. Werbung sollte nicht mehr nur schmücken, sondern vor allem informieren und schnell verständlich sein.

Diese Entwicklung markiert einen grundlegenden Wandel: von der kunstvollen, ornamentalen Gestaltung des Jugendstils hin zu einer modernen, zweckorientierten Werbegrafik. Besonders in den späten 1920er- und frühen 1930er-Jahren entstanden so klare, plakative Designs, die bis heute als Vorbild für wirkungsvolle visuelle Kommunikation gelten.

typisches Jugenstil Emailschild

Zu Bosch passte der Art Deco Stil natürlich bestens.

Das legändere Wulle Emailschild gehörte einem ganz anderen Stil an, dem Historismus

Das Emailschild und die Werberevolution

Emailschilder gehören zu den prägenden Werbeträgern der Industrialisierung und erlebten ihre Blütezeit zwischen etwa 1890 und den 1950er Jahren. Ihre Grundlage ist emailliertes Stahlblech: Eine Glasmasse wird bei hohen Temperaturen auf Metall aufgeschmolzen, wodurch eine besonders langlebige, farbintensive und wetterfeste Oberfläche entsteht. Diese Eigenschaften machten Emailschilder ideal für den Einsatz im Außenbereich.

Die ersten Emailschilder entstanden im späten 19. Jahrhundert, als Markenartikel und moderne Werbung an Bedeutung gewannen. Um 1900 waren sie weit verbreitet und wurden oft im Stil des Jugendstils gestaltet – mit dekorativen Ornamenten, geschwungenen Schriften und detailreichen Illustrationen. Sie dienten nicht nur der Werbung, sondern auch als Aushängeschilder für Gasthäuser, Brauereien und Geschäfte.

In den 1920er- und 1930er-Jahren veränderte sich die Gestaltung grundlegend. Mit dem Einfluss von Art Déco und Neuer Sachlichkeit wurden die Schilder klarer, geometrischer und funktionaler. Die Motive reduzierten sich auf prägnante Formen, starke Farben und gut lesbare Schriftzüge. Werbung sollte schnell erfassbar sein und auch aus der Distanz wirken.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Emailschilder zunehmend von neuen Materialien wie Kunststoff und bedrucktem Blech verdrängt. Die Herstellung war aufwendig und teuer, sodass sie wirtschaftlich weniger attraktiv wurde. In den 1960er Jahren verschwanden sie weitgehend aus dem Straßenbild.

Heute sind Emailschilder begehrte Sammlerobjekte und geschätzte Zeugnisse der Design- und Alltagsgeschichte. Sie dokumentieren nicht nur die Entwicklung der Werbung, sondern auch den Wandel von Stilrichtungen und Konsumkultur über mehrere Jahrzehnte hinweg.

Als Erfinder des Emailschildes gilt Franz Stollwerk. 

Einige Emailschildmotive sind heute legendär, wie die weiße Dame von Persil.

Auch Maggi verdankte seine bekanntheit Emailschildern, die fast an jedem Laden hingen.