Emailschildprojekt

Im Jahr 2007 wurde die Brauerei Schöll nach über 10 Jahren Leerstand abgerissen. In diesem Zusammenhang sollten alle Ordner der Brauerei entsorgt werden.  Dies gab mir die Gelegenheit mir diese Ordner genauer anzuschauen. Dabei entdeckte ich mehrere Entwürfe aus den 1920er Jahren. Besonders 2 Entwürfe erregten meine Aufmerksamkeit, sie waren schon sehr weit entwickelt.

Die zwei Entwürfe aus den 20er Jahren standen am beginn des Projektes.

Viele Jahre ruhten die Entwürfe bei mir im Keller. Als ich sie wieder heraufholte beschloss ich mich ein wenig mehr mit diesen Entwürfen zu befassen. Besonders interessant ist das der blaue Entwurf Art Deco, der gelbe aber Jugendstil geprägt ist.

 

Für was aber könnten diese Entwürfe sein? Etiketten scheiden aus. Besonders wahrscheinlich ist, nach Rücksprache mit Experten, dass die Entwürfe für Plakate, Blechschilder oder Emailschilder gewesen sind.  Eins zu eins wurden diese Entwürfe nie verwendet, die Ähren sind in dieser Art aber auf Bierkrügen und auf einem Pappschild zu sehen. Passend dazu konnte ich herausfinden das sich der Brauereibesitzer in den 1920er Jahren mit dem Gedanken trug Emailschilder in größerem Stil zu fertigen. Allerdings starb er in diesem Zeitraum und ich vermute sein Nachfolger hat, warum auch immer diese Gedanken verworfen.

Lange Zeit dachte ich, dass es keinerlei Emailschilder von der Brauerei Schöll gab, dann aber stieß ich im Internet auf dieses rare Stück:

Dieses Schild verdeutlichte mir das es mehrere ähnliche Entwürfe für Schilder gegeben haben muss. Warum sich Heinrich Schöll damals gegen die anderen Entwürfe entschieden hat wird wohl nicht mehr aufzuklären sein, doch ich beschloss mich nun einen der gefunden Entwürfe zum Leben zu erwecken.

Eine einfache aber nicht sehr historische Art Emailschilder zu Drucken ist mit dem modernen Digitaldruck. Vorteil dieser Drucktechnik ist das sie wesentlich Preiswerter als der Siebdruck ist, außerdem sind damit feinere Farbstrukturen und schattierungen machbar.

Nachteile dagegen sind, dass die Farben nicht so deckend und kräftig aufgetragen werden können. 

Ich hatte mich zuerst entschieden diesem Druckverfahren die den Vorzug zu geben.

Nach wenigen Wochen kam das erste Paket von Classic- Email und es war eine entteuschung! (Bild Links) Sofort fotografierte ich das Produkt, schickte es dem Hersteller und dieser war gleich einsichtig:"wir bekommen das besser hin".

Und ja das hat Classic-Email (rechts) und dennoch war ich nicht gänzlich zufrieden und beschloss auch die andere Drucktechnik auszuprobieren.

Eines war von vornerein klar, beide Entwürfe müssen zumindest ein wenig angepasst werden um per Siebdruck gefertigt zu werden. So begann ich den blauen Entwurf zu modifizieren. 

Die Entwicklung des Entwurfes hin zu einem siebdruckfähigen Blaupause. Wärend die Schrift und der untere Teil nahezu unverändert bleibt habe ich die oberen Teil im Stil der Zeit angepasst. Ein Kreis passt so z.B. wesentlich besser in die Zeit als eine größere Fläche. Für einen bestmöglichen Druck im althergebrachten Verfahren war es von Vorteil die Flächen in Vollfarbe zu gestalten. Der letzte Entwurf ist also derjenige welcher zum Druck eingereicht wurde.

Am 14.07.26 haben mich gute Nachrichten von der Firma Auwärter Emailschildern (https://auwaerter-emailschilder.de) erreicht. Das Emailschild ist fertig. Dazu schickte mir die Chefin des Unternehmens Fotos von der Herstellung des Schildes. Ein toller Service von Auwärter Emailschildern. Die Bilder zeigen folgende Arbeitsschritte: 

-Spritzen des Rohteiles

-Drucken der einzelnen Schiebebilder

-Lacken der Schiebebilder

-Aufziehen der Schiebebilder

-Nach dem Brennen.

Hier nochmal die Schritte vom Entwurf zum fertigen Schild.

Die Grundlage des Nürtinger Bürgerbräu-Emailschildes bildet ein historischer, unvolendeter Werbeentwurf aus den späten 1920er Jahren. Bereits dieser zeigt die drei Roggenähren vor einem strahlenförmigen Hintergrund sowie den markanten Schriftzug „Nürtinger Bürgerbräu“, der später nahezu unverändert übernommen wurde.

Mehr Farbe, kräftigere Strukturen, so wäre der Entwurf sicher auch in den 1920ern weiterentwickelt worden. Aus diesem Entwurf könnte man nun verschiedene Werbemittel ableiten. Papierplakat, Pappplakat, Blechschild oder Emailschild. Ich ging also weiterhin vor wie man es in den 1920ern gemacht hätte.  Aus Familienkreisen der Schölls hatte ich gehört das die Brauerei damals mit dem Gedanken an die Herstellung von Emailschildern spielte und auch verschiedene Entwürfe hatte erstellen lassen. 

Die nächsten Fragen für mich waren, was macht ein Emailschild der späten 1920er Jahre aus? Wie wäre die Entwicklung damals weitergegangen?

Ich recherchierte und schaute mir hunderte Emailschilder aus dieser Epoche an. Ein Rahmen war üblich und gibt dem Auge zusätzlich halt.

Ein viereckiges Logo war eher selten, ich schaute mir andere umsetzungen des Ährenlogos durch die Brauerei an. Auf Gläsern war das Logo bspw. im Kreis zu sehen. Ein gutes Element für das zu entstehende  Emailschild. Sehr wahrscheinlich das dieses Kreiselement damals bei einer weiterentwicklung des Entwurfes gewählt worden wäre.

Der ursprüngliche Entwurf war als Druckgrafik ausgeführt und besaß zahlreiche feine Schraffuren und filigrane Details. Für die Herstellung eines Emailschildes mussten diese jedoch an die technischen Möglichkeiten der damaligen Emailwerke angepasst werden.

Im Verlauf der Entwicklung wurden die Linien vereinfacht, die Konturen verstärkt und die Schraffuren durch klare Farbflächen ersetzt. Gleichzeitig blieb die charakteristische Gestaltung des Entwurfs erhalten. Die drei Roggenähren, die Strahlenkomposition und die markante Typografie bildeten weiterhin das prägende Erscheinungsbild.

Das fertige Emailschild zeigt eindrucksvoll, wie historische Werbegrafik an die Anforderungen der Emailproduktion angepasst wurde. Durch die Reduzierung auf wenige kräftige Farben und klare Konturen entstand ein Motiv mit hervorragender Fernwirkung und hoher Wiedererkennbarkeit – typische Merkmale hochwertiger Emailschilder der damaligen Zeit.

Die hier gezeigten Rekonstruktionsstufen machen diesen Gestaltungsprozess nachvollziehbar. Sie dokumentieren den Weg von der ursprünglichen Druckgrafik über verschiedene Überarbeitungen bis hin zum fertigen Emailschild und geben damit einen seltenen Einblick in die Entstehung historischer Brauereireklame.

Unten Rechts habe ich übrigens den ursprünglichen Grafiker verewigt. Leider konnte ich nichts weiteres über ihn herausfinden.

Das fertige Emailschild

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